Traumapädagogik
Ein Trauma ist überwältigend, lebensgefährlich, über alle Maßen erschreckend, etwas, das man eigentlich nicht verkraften kann, ein Ereignis außerhalb dessen, was der Mensch sonst kennt, verbunden mit der Überzeugung, dass man es nie verwindet, so schlimm, dass man nachher denkt, das könne nicht passiert sein, mit enormen seelischen und/oder körperlichen Schmerzen verbunden, etwas was von unserem Gehirn aufgesplittert oder ganz verdrängt wird.“ (M. Huber 2003, S. 38)
Ein Mensch, der einer derartigen Situation ausgesetzt ist, reagiert entweder mit Kampf (fight) oder Flucht (flight). Hierdurch wird versucht, das traumatische Erleben zu verhindern. Gelingt dies nicht (no fight – no flight) dann bleibt als letztes Mittel nur noch die Auflösung des Selbst übrig, um dieser Situation zu entkommen. Diese Reaktion wird freeze (einfrieren) genannt. Der Mensch erstarrt in seiner Wahrnehmung. Gleichzeitig wird die Erfahrung zersplittert (fragmentiert) Das Ereignis wird nicht mehr zusammenhängend, sondern in Fragmenten abgespeichert.
Der Vergleich eines Spiegels, der im Augenblick des traumatischen Stressgipfels zerspringt, macht deutlich, dass die zurückbleibenden Spiegelsplitter nicht mehr erkennen lassen, was passiert ist, sondern nur noch, dass etwas passiert ist.
(Lutz-Ulrich Besser zit. nach M. Huber 2015, S.43f)
Diese Bruchstücke tauchen immer wieder und oft unerwartet auf (Flashbacks). Auslöser können Reize sein, die in irgendeiner Form in Verbindung mit dem traumatischen Erleben stehen. Es findet sozusagen eine Teilerinnerung statt. Die langfristige Integration des Erlebten in das biografische Gedächtnis ist das Ziel der Traumatherapie (vgl. Ursula Ross).
Die Traumapädagogik zielt auf den alltäglichen Umgang mit den Folgen des Traumas ab. Wichtiger Aspekt ist zum Beispiel die Stabilisierung der Kinder, wenn bruchstückhafte Erinnerungen an die Oberfläche kommen.
 
Traumatisierte Mädchen oder Jungen bei sich aufzunehmen und sie über viele Jahre zu begleiten, fordert auch die betreuenden Fachkräfte sehr heraus. Seelisch verletzte Kinder entwickeln eine Vielzahl an besonderen Verhaltensweisen. Sie ziehen sich stark zurück oder verhalten sich distanzlos. Frustrationen können nicht ausgehalten, Bedürfnisse müssen schnell befriedigt werden. Oft fehlt ihnen das Zeitgefühl, sie wirken unsicher, nervös oder unkonzentriert. All diese Verhaltensweisen sind nicht Ausdruck einer defizitären Erziehung. Sie sind Ausdruck eines sie in jeder Hinsicht überfordernden Erlebens.
Wir legen daher ein besonderes Augenmerk auf die Fachlichkeit unserer PädagogInnen, als auch auf Einstellungen, Sichtweisen und Haltungen unserer Fachkräfte. Alle pädagogischen Fachkräfte müssen im Bereich der Traumapädagogik weitergebildet oder qualifiziert sein bzw. sich in Weiterbildung befinden. Sie erhalten regelmäßige Unterstützung in Form von kollegialer Beratung, Fachberatung und Supervision.
Für weitere Informationen sprechen Sie uns gerne an!
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